1984 - 1990

1984

Im Januar wird die Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinden im Oberbarmer Raum rechtskräftig. Der volle Name lautet nun: Vereinigte Evangelische Kirchengemeinde Heckinghausen in Wuppertal-Barmen. Erste Sitzung des Presbyteriums am 9. Januar. Zum Bevollmächtigtenausschuss gehören: Else Dausend, Hans-Hermann Erbslöh, Sofie Gostorffer, Hans-Herbert Isenberg, Werner Mammitzsch, Heinz Müller, Friedhelm Ringelband, Werner Schenk, Theodor Schneider, Rut Schürmann, Charlotte Thomas, Harald Stangs, Anneliese Vorsteher, Pastor Wilfried vom Baur, Pastor Eckart Ludwig und Pastor Wolfgang Vorländer, sowie Erika Biederbeck, Ulrich Hurschmann, Marianne Prause und Pastor Hans-Hermann Pompe. Pastor vom Baur wird zum Vorsitzenden gewählt. Das Siegelbild der aufgelösten lutherischen Kirchengemeinde Heckinghausen wird unverändert als Siegel der neuen Gemeinde beibehalten. Folgende Grundstücke werden von der Gemeinde übernommen: Paul-Gerhardt-Haus (Rübenstraße 25), Pfarrhaus Rübenstraße 23, Pfarrhaus Roseggerstraße 13, Kindergarten Klippe 9, Kindergarten Gosenburg 62, Gebäude Heckinghauser Straße 208, Gebäude Heckinghauser Straße 222 + 222a, Kirchsaal Ackerstraße 21, Pfarrhaus Krautstraße 74.

Im Februar wird bekannt gegeben: Gottesdienste 1., 3. und 4. Sonntag im Paul-Gerhardt-Haus, 2. und 5. Sonntag im Kirchsaal. Abendmahls-Gottesdienste sollen an jedem dritten Sonntag im PGH und an jedem fünften Sonntag im Monat im Kirchsaal Ackerstraße stattfinden. Kindergottesdienst jeden Sonntag im PGH. Jugendgottesdienst 1 x im Monat im Wechsel mit dem CVJM Heckinghausen und dem CVJM Haus Sonntagstrasse. Biblischer Gesprächskreis mittwochs abends im Kirchsaal. CVJM Familienkreis mittwochs 2 x im Monat in der Altentagesstätte. Gesprächskreis für Erwachsene 1 x im Monat dienstags, Frauenhilfe Ost 2 x im Monat, Frauenhilfe West 2 x im Monat und Frauenabendkreis 2 x im Monat dienstags im PGH. Frauenkreis 2 x im Monat, Singkreis jeden Dienstag und Besuchskreis 1 x im Monat montags im Kirchsaal. Minijungschar jeden Donnerstag (allerdings nur noch bis Juni 1984), Mädchenjungschar jeden Donnerstag, Mädchentreff jeden Mittwoch, Club 222 Jungen 13-14 Jahre donnerstags, Jugendclub 15-17 Jahre jeden Mittwoch (bis Dezember 1984), Jugendmitarbeiterkreis 1 x im Monat und Jugendsingkreis jeden Montag im CVJM Haus. Jugendbibelkreis 2 x im Monat freitags im PGH. Mittwochstreff für Jungen und Mädchen 13-14 Jahre jeden Mittwoch, Jugendgesprächskreis jeden Donnerstag (bis Juli 1984) und Teestube für Jugendliche ab 16 Jahre jeden Freitag im Kirchsaal. Posaunenchor jeden Mittwoch im PGH. Altengymnastik jeden Mittwoch im CVJM Haus. Altentagesstätte von montags bis freitags von 14-18 Uhr. Die Gemeindeschwester für den ersten und dritten Bezirk ist Schwester Elisabeth Dreckhoff und für den zweiten Bezirk Schwester Wiltrud Schmale.

Die ersten Hauskreise bilden sich und werden zukünftig zu einem wichtigen Gemeindebereich. Am 4. März wird der erste Gottesdienst nach der neuen aus reformierter und lutherischer Liturgie zusammengestellten Gottesdienst- und Abendmahlsordnung gefeiert, um die Einheit der Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Am 30. November beendet Pastor Wolfgang Vorländer seinen Dienst in der Gemeinde. Im Dezember wird für Frau Hildegard vom Baur die Ordination zur Predigthelferin beantragt.

1985

Pastor Hans-Achim Wellnitz

Im Januar werden in die Dienstanweisungen folgende überbezirkliche Aufgaben aufgenommen: 1. Pfarrstelle Altenarbeit, 2. Pfarrstelle Jugendarbeit, 3. Pfarrstelle Erwachsenenbildung und Diakonie. Im Februar wird Ernst Kirchhoff Vikar in der Gemeinde. Im März bekennt sich der Bevollmächtigtenausschuss, nachdem ein spektakulärer Asylfall in einer Hamburger Kirche bzw. Gemeindehaus bekannt geworden war, zur Asylgewährung in der Gemeinde.

Am 1. April wird Pastor Hans-Achim Wellnitz in die dritte Pfarrstelle der Gemeinde eingewiesen. Pastor Hans-Achim Wellnitz ist am 6.05.1953 in Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg/Pommern) geboren. Er ist in Meerbusch bei Neuss aufgewachsen und mit Petra Wellnitz verheiratet, die sich zukünftig besonders um die Ausländerarbeit verdient machen wird. Sie haben zwei Kinder. Pastor Wellnitz übernimmt den dritten Pfarrbezirk als Nachfolger von Pastor Vorländer und wird in der Rübenstraße 23 wohnen. Nach der Lehre zum Industrie-Kaufmann bei Thyssen-Industrie studierte er bis 1976 in Düsseldorf Religionspädagogik, dann Theologie in Wuppertal und Göttingen. 1980 schließt er mit dem ersten Staatsexamen ab. Danach arbeitet er drei Jahre bei der Studentenmission Deutschland (SMD) als Reisesekretär und beendet 1985 sein Vikariat in Schöller bei Pastor Prof. Oe Fangmeier. Er ergänzt das bisher weniger seelsorgerlich orientierte Pastoren-Team durch seine stille, freundliche Art, denn er kann sich in den Alltag der Menschen hineindenken und er sieht ihre Nöte. In seinen Predigten versucht er zu ermutigen und vermeidet es, den Menschen Angst oder ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Unterweisung der Gemeinde betreibt er weniger durch Worte und mehr dadurch, dass er Vorbild ist. Daher passt es auch in das Bild, dass er sehr um Gemeinschaft bemüht ist, indem er selber gerne mit Kartoffelsalat, Würstchen und einem guten Bier feiert. Er organisiert viele Gemeindeaktionen und das Missionaletreffen in Köln genauso tatkräftig wie er sich für Aushilfsdienste, wie die zeitweise Betreuung der Stadtmission, zur Verfügung stellt. Pastor Wellnitz liebt den Sport nicht nur vor dem Fernseher, sondern auch indem er selber den Ball tritt oder schlägt. Er ist praktisch orientiert und im Umgang mit Kindern sehr liebevoll, so dass Tauf- und Familiengottesdienste zu seinem Anliegen werden. Ebenso ist er bei älteren Menschen sehr beliebt, da er, so oft es geht, Hausbesuche macht. Er arbeitet mehr im Hintergrund und wird schließlich zur tragenden Säule, die das Erreichte bewahren hilft. Dies allerdings weniger als Lehrer, um so mehr als vermittelnder, dienender und immer freundlicher, geduldiger Leiter. Lange Jahre ist er stellvertretender und später Vorsitzender des Presbyteriums.

An Himmelfahrt wird zum ersten Mal der Gottesdienst im Murmelbachtal gefeiert und anschließend wandert man auf die Bundeshöhe wo der CV JM Spiele, Würstchen und Getränke vorbereitet hat. Am 30. Juni wird Pastor Pompe in die zweite Pfarrstelle eingeführt und Pastor Wellnitz ordiniert. 1. Juli Frau Bettina Schmunk beginnt den Küsterdienst im Kirchsaal Ackerstraße 21. Mit ihrer freundlichen und unkomplizierten Art hilft sie überall wo sie kann und trägt auf ihre zurückhaltende Art viel zu einem liebevollen Gemeindeleben bei. 28. Juli Ordination von Claudia Währisch-Oblau und gleichzeitige Verabschiedung aus der Gemeinde. Das Ehepaar Oblau geht im Auftrag der Vereinigten Evangelischen Mission nach China. Abschiedsgottesdienst für Pastor vom Baur am 01. Dezember. Seine Frau engagiert sich weiterhin für den Kindergottesdienst.

Herr Ulrich Hurschmann wird nun alle zwei Jahre bis 1998 immer wieder zum Vorsitzenden gewählt. Er ist am 18.06.1951 in Wuppertal geboren und in Heckinghausen aufgewachsen. Von Beruf Lehrer, hat er eine schnelle Auffassungsgabe und ein sehr gutes Gedächtnis. Er weiß Sitzungen straff zu leiten (stets pünktlicher Schluss um 22.00 Uhr) und lenkte den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge, indem er die Sitzungen detailliert vorbereitet und sich selber schon vorher ein gutes Meinungsbild erarbeitet, so dass sein Rat meistens zu einstimmigen Entscheidungen führt. Da er mit dem Gemeindeamt sehr gut zusammen arbeitet und Interesse an den Finanzen und der Personalverwaltung hat, nimmt er 13 Jahre lang den Pastoren fast alle verwalterischen Arbeiten ab und stellt seine Fähigkeiten darüber hinaus oft dem Verband und dem Kirchenkreis zur Verfügung. Er gehörte zur Gemeinde Gemarke und hatte sich dort im Kindergottesdienst und in der Jugend- und Friedensarbeit eingebracht.

1986

Ab Januar werden Säuglinge im Gottesdienst gesegnet. Eine Mutter-Kind-Spielgruppe trifft sich nun jeden Mittwoch im Kirchsaal. Am 16. April wird Pastor Wellnitz in die dritte Pfarrstelle gewählt. Am 26. Juni findet ein Gespräch mit dem katholischen Pfarrgemeinderat von Sankt Elisabeth statt. Diese Gespräche werden nun ständig fortgesetzt und im Sinne der Ökumene vertieft. In beiderseitigem Einvernehmen wird das Dienstverhältnis mit dem Organisten Herrn Martin Schröder zum 30. Juni aufgehoben. Am 26. Juli ist der langjährige Presbyter und amtierende Kirchmeister der Gemeinde Herr Hans-Hermann Erbslöh gestorben. Herrn Theodor Schneider wird zu seinem Nachfolger gewählt. 1m Oktober geht Vikar Ernst Kirchhoff als Hilfsprediger nach Waldbröl. Von Herbst 1985 bis Dezember 1986 werden in einem Kollekten-Projekt ca. 20.000,00 DM für einen Bus für die Oromo-Flüchtlings-Hilfe gesammelt. In Zukunft sammelt die Gemeinde immer wieder für ein Kollekten-Projekt.

1987

Pastor Rolf Zwick

Ab Januar beschäftigt man sich mit dem Thema Christen und Juden über "Der ungekündigte Bund". Während der Passionszeit wird nun in den kommenden Jahren immer wieder zu einer Fastenaktion aufgerufen.

Am 1. April wird Pastor Rolf Zwick gewählt. Er tritt am 01. Juni seinen Dienst in Heckinghausen an und wird am 4. Oktober eingeführt. Er ist mit Bettina von Clausewitz, die sich besonders im Rahmen ihrer journalistischen Möglichkeiten und für den Aufbau einer Theatergruppe einsetzt, verheiratet. Sie bekommen einen Sohn. Vorher war er Pastor im Hilfsdienst in Essen und ein Jahr Pastor in einer südafrikanischen Gemeinde. Er ist eher still fast schon in sich gekehrt. wobei es sich aber wohl mehr um eine Art norddeutsche, hanseatische Distanziertheit handelt, was auch nicht verwundert, da er am 17.11.1956 in Minden geboren und in Bremen aufgewachsen ist. Seine Studienorte waren Göttingen, Tübingen und Lausanne in der Schweiz. Nach seinem Vikariat in Essen geht er in seiner Hilfsdienstzeit ein Jahr (1985/86) nach Südafrika. Mit ihm kommt eine gewisse Weltoffenheit nach Heckinghausen. Er und seine Frau, die Journalistin ist, haben viele Auslandskontakte geknüpft, so auch in besonderer Weise zu Caesar Molebatsi und zur südafrikanischen Gemeinde Ebenezer, und sie haben viele Auslandsaufenthalte hinter und noch vor sich. So passt es auch ins Bild, dass sie zusammen mit ihrer Essener Wohngemeinschaft in die Roseggerstraße 13 einziehen werden.

Mit dieser Wohngemeinschaft hat es nicht nur das Besondere auf sich, dass in ihr mehre Mitarbeiter der Zeitschrift "Unterwegs" leben, sondern vor allem, dass sie ihr einzeln verdientes Geld in eine gemeinsame Haushaltskasse geben, so dass man eine vorbildhafte Signalwirkung erzeugt, wieder zu den Ursprüngen der ersten Christengemeinschaften zurückzukehren. Es gibt danach eine Zeit, in der einige Gruppen aus der Gemeinde mit ähnlichen Projekten liebäugeln. Es kommt aber letztlich dann doch nicht dazu. Zukünftig wohnen auch nach dem Weggang von Pastor Zwick nur noch Wohngemeinschaften in dieser Wohnung. Pastor Zwick wird sowohl ein Seelsorger und Helfer der Randgruppen, wie auch ein Seelsorger der Gemeindeglieder, die Verantwortung und Leitungsaufgaben in der Gemeinde inne haben. Er weiß sowohl mit den Menschen an Hecken und Zäune wie auch mit führenden Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kirche umzugehen. Er wird zum Magnet für Suchtabhängige und Arbeitslose, für Jugendliche ohne Hoffnung, Asylsuchende und Schwarze, die in Wuppertal leben, und für viele mehr. Er setzt sich besonders dafür ein, dass die Gemeinde über ihren eigenen Wirkungskreis hinausschaut.

Die Gemeinde lernt durch ihn, andere Christen und besonders auch Hilfsbedürftige in Heckinghausen und in der ganzen Welt zu sehen. Er wird zur treibenden Kraft im Kirchenasyl und in der Partnerschaft mit Ebenezer in Soweto. Von ihm kommen die ersten Ideen zur Ladenkirche (HeckMeck), zur späteren Citykirche in Gemarke und zur Partnerschaft des Kirchenkreises mit Matagalpa (Nicaragua). In seinen letzten vier Jahren in Heckinghausen wird er den Kirchenkreis in der Landessynode vertreten und ist Mitglied im landeskirchlichen Ausschuss für Ökumene und in der theologischen Prüfungskommission. Viele Verhandlungen mit Politikern oder mit der Landeskirche bezüglich verschiedenster Projekte werden meist von ihm geführt werden. Ein wichtiges Anliegen wird ihm der Gemeindeaufbau und die Schaffung einer Gemeindestruktur sein. Er hat die ersten Glaubenskurse - noch ohne die Vorlage von B. Krause - und die jährlichen Mitarbeiterwochenenden initiiert. Mit dem Strukturschema der Gemeinde, mit Bereichsleitern und dem Gemeinderat, welches er zusammen mit dem Perspektivausschuss entworfen hat, wird er das Fundament für die neue Gemeindeordnung legen. Schon bald zieht er PresbyterInnen und andere Gemeindeglieder in die Gestaltung des Gottesdienstes ein und zusammen mit Pastor Pampe wird er den Abendgottesdienst konzipieren. Dass er noch weitere unkonventionelle Seiten an sich hat, zeigt seine Freude am Motorradfahren, so dass er regelmäßig über Pfingsten zu Motorradfreizeiten einladen wird. In diesem Zusammenhang gibt es eine schöne Anekdote: Als Pastor Zwick in seiner Lederjacke sein Girokonto bei der Sparkasse eröffnen will, wird er nach seinem Beruf gefragt und erst nach mehrmaliger Rückversicherung wird man endlich verstehen und glauben, dass er kein Fahrer sondern Pfarrer sei.

Auch wenn seine Predigten sehr leise vorgetragen werden, so sind sie doch für die Gemeinde sehr wichtig, denn er rüttelt auf und hält der Gemeinde oft den Spiegel der Selbstgenügsamkeit vor Augen. Auflockerung bringt er vor allem dadurch, dass er sich darüber freut, wenn sein Lieblings-Fußballclub Werder Bremen wieder mal gewonnen hat. So wie Pastor Wellnitz die Kinder, das Mittelalter und die Senioren im Blick hat, so wie Pastor Pompe die Evangelisation und die Jugendlichen im Blick hat, so wird Pastor Zwick durch seine lockere ungezwungene Art ein Anlaufpunkt der Außenseiter, der Unterdrückten und insbesondere der jungen Erwachsenen.

Herr Christoph Heimbucher wird zum 1. Mai als Organist eingestellt. Frau Sabine Brüss übernimmt in dieser Zeit die Leitung des Kindergartens Klippe. Der Bevollmächtigtenausschuss erklärt seine grundsätzliche Bereitschaft gemeindeeigene Wohnungen an Asylanten abzutreten. Insbesondere wird sich Frau Petra Wellnitz für die Asylsuchenden besonders engagieren.

Am 4. Oktober wird Hildegard vom Baur während des großen Gemeinde-Erntedankfest zur Predigthelferin ordiniert. Sie ist in Solingen am 1.04.1951 geboren und mit Pastor Wilfried vom Baur verheiratet. 1973 beendet sie ihr Lehramtsstudium und arbeitet bis 1975 unter anderem als Religionspädagogin an einer Schule. Von 1975 bis 1977 unterstützt sie ihren Mann, der in dieser Zeit Reisesekretär der Studentenmission Deutschland ist. Während des Vikariats ihres Mannes ist sie Gemeindepädagogin in Solingen Wald und mit dem Beginn des Pfarrdienstes ihres Mannes beginnt ihre ehrenamtliche Mitarbeit in Heckinghausen. Ihre Schwerpunkte sind der Frauenkreis, der Konfirmationsunterricht und vor allem die Kindergottesdienstarbeit. Hinzu kommen viele andere Engagements und die Mitarbeit an der Gemeindestruktur. Im Jahr 1986 beginnt sie mit der Ausbildung zur Predigthe1ferin, die sie mit ihrer Ordination abschließt. Das Amt des Predigthelfers ist ein Ehrenamt, das während des 2. Weltkrieges in der rheinischen Landeskirche eingeführt wurde, weil zu diesem Zeitpunkt viele Pfarrer zum Militär eingezogen worden waren. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es ca. 400 ehrenamtliche Predigthelfer, die alle Amtshandlungen (Predigt und Sakrament) eines hauptamtlichen Pfarrers übernehmen dürfen. So auch Hildegard vom Baur, die nun im schwarzen Talar Gottesdienste in Heckinghausen leiten wird. Ihre Predigten sind von einer besonderen Klarheit und Frische, so dass man ihr gerne zuhört und sich auf ihre Gottesdienste freut.

Der Bevollmächtigtenausschuss beschließt den 1O%igen Anteil für die Kriegsgräberfürsorge der Aktion "Hilfe für Israel" zuzuschlagen (später für "Christen in Amnesty International") und nicht an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) abzuführen. Dies ist der Beginn einer dreijährigen Auseinandersetzung mit dem Landeskirchenamt.

Die Pfarrdienste werden zukünftig wie folgt eingeteilt: Pastor Pompe für den Bereich Jugendarbeit, Pastor Zwick für den Bereich Junge-Erwachsene und Pastor Wellnitz für Erwachsene und Senioren. Amtshandlungen und Besuche werden von den Pfarrern bezirksweise durchgeführt. Der kirchliche Unterricht wird jahrgangsweise von den Teams H. vom Baur/Pompe und Wellnitz/Zwick bezirksübergreifend durchgeführt. Ein Gesamtmitarbeiterkreis (MAK) wird eingerichtet. Die Altentagesstätte wird in "Seniorentreff" umbenannt. Im Gemeindebrief erscheint ein Artikel zum Thema Gentechnologie. Zum erstenmal findet am 24. Dezember eine Gemeindeweihnachtsfeier mit Essen, Singen und Gesprächen bis zum Spätgottesdienst um 22.30 Uhr statt.

1988

Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst

Im Januar beginnt Vikar Werner Jacken seinen Dienst in Heckinghausen. Nachdem zum 31.12.1987 Frau Wiltrud Schmale ihren Dienst beendet hat, wird Christa Boos Gemeindeschwester für den zweiten Pfarrbezirk. Claudia Velleuer wird Erzieherin im Kindergarten Klippe und übernimmt später die Leiterinnenstelle. Im April nimmt Pastor Ludwig Stellung zum angeblichen Finanzskandal bei den Wohlfahrtsverbänden und zu den gegen ihn unberechtigterweise erhobenen Anschuldigungen im Rahmen der Ehe- und Lebensberatung in einem Artikel der Zeitschrift "Der Spiegel" und stellt den Sachverhalt richtig. Es werden nun Mitarbeiter für die Jugendarbeit (Mimen) fest eingeplant. Später werden auch Zivildienstleistende eingesetzt. Pastor Zwick richtet einen Junge-Erwachsenen-Mitarbeiterkreis ein. Thema im Juni: Gemeindeaufbau mit weniger Geld, Prioritäten bei steigenden Personalkosten und sinkenden Kirchensteuereingängen. Im Juli werden die ersten Kinder nur gesegnet und nicht getauft. Für neu hinzugezogene Gemeindeglieder wurde ein Besuchsdienstkreis eingerichtet. In den Hauptgottesdiensten werden nun immer häufiger ausländische Besucher vorgestellt, Mitarbeiter berichten über ihre Auslandsaufenthalte und es wird auf ähnliche Veranstaltungen hingewiesen.

1989

Das Paul-Gerhardt-Haus nach dem Umbau

Im Januar wird die Frage eines zweiten regelmäßigen Sonntags-Gottesdienstes aufgeworfen. Es wird über die Partnerschaftsarbeit mit den DDR-Gemeinden und über die zukünftig vorgesehene Partnerschaft mit der Gemeinde Ebenezer in Soweto nachgedacht. Frau Rumpf, Leiterin des Kindergartens Gosenburg, beendet ihr Arbeitsverhältnis zum 31.01.1989. Frau Helga Schüssler übernimmt die Leitung. Die Zahl der Gottesdienstbesucher liegt nun durchschnittlich bei ca. 200 Besuchern. Juni-Sitzung des Presbyteriums: Die Pastore beschreiben einige Spannungsfelder ihres Dienstes. Im Gespräch wird festgestellt, dass Verkündigung, Seelsorge und Amtshandlungen unaufgebbare Aufgaben eines Pfarrers sind. Andere Arbeitsbereiche können auch unter den Pfarrern aufgeteilt oder an ehrenamtliche Mitarbeiter delegiert werden.

Im September wird ein Text zur Ausländerfeindlichkeit und zur Kommunalwahl im Gemeindebrief veröffentlicht und die Sanierung der beiden Gemeindehäuser beschlossen. Das Presbyterium lässt sich die Pläne für den Umbau der Gemeindehäuser vom Presbyter und Architekten Ernst-Joachim Friedrich erläutern. U. a. wird im Kirchsaal der Eingangsbereich umgebaut und der Saal und die Gruppenräume heller und freundlicher gestaltet sowie das alte Rundfenster wieder geöffnet und ein Glasfenster eingesetzt, das von der Künstlerin Erika Steinbeck aus Essen entworfen wird. Thema der Darstellung: "Lebendiges Wasser". Nach Abschluss der Arbeiten im Kirchsaal wird dann das Paul-Gerhardt-Haus umgebaut. Hier soll der obere Gruppenraum um die Empore vergrößert werden und eine neue Empore davor "gehängt" werden. Ein Holz-Glas-Vorbau mit begrüntem Dach wird als neuer Eingangsbereich angebaut. Der Gesamtcharakter des Innenraumes soll durch neue Klarglasfenster mit Aussicht ins Grüne und viel Holz hell und freundlich werden. Da die Zahl der Konfirmanden zurückgeht, soll versucht werden, die Konfirmanden in der Jugendarbeit heimisch zu machen. Am 18. und 19. November kommen viele zur ersten Mitarbeiterfreizeit ins Haus Friede nach Hattingen.

1990

Gemeinde Heckinghausen im Gottesdienst

Nach der Öffnung der Grenzen zwischen dem Osten und Westen Deutschlands steigt die Einwohnerzahl in Wuppertal in den nächsten Jahren um ca. 30.000. Auch in Wuppertal geht es nun weniger um die Angst vor Krieg sondern noch mehr um Ökologie, Gesundheit und Gleichberechtigung, wofür es schon seit langem in Wuppertal einen fruchtbaren Boden gibt. Dies spiegelt sich in den Wahlergebnissen der Partei der Grünen und im stärker werdenden Verbraucherschutz. Während der Rückgang der landeskirchlichen Gemeindeglieder immer dramatischere Formen annimmt, bekommen Sekten und Verkünder von Heilsbotschaften immer stärkeren Zulauf. Einerseits macht die Wissenschaft den Menschen Hoffnung auf eine Lebenserwartung bis zu 150 Jahren, andererseits verlaufen immer mehr Krankheiten durch Viren wie den Ebola- Virus und neue Grippeviren, penizillinresistente TBC-Bakterien und Aids meist tödlich und zeigen den Menschen, dass sie immer noch sterblich sind.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen, schnelles Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer und der Kampf gegen das international organisierte Verbrechen gehören nun zu den wichtigsten Aufgaben an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Die Angst vor einem Weltkrieg verliert sich, doch die Angst vor dem Einsatz von Atomwaffen durch unberechenbare Terroristen und vor der Zunahme von brutalen Verbrechen steigt. Neben der Öffnung der Grenzen in Europa und der Einführung des Euro, wird in den 90er Jahren die Akademikerschwemme, von der auch die Pastoren betroffen sein werden, und die Asylantenfrage zu einem besonderen Politikum.

Zum ersten Mal seit der Bekennenden Kirche ringen sich einige christliche Gemeinden wieder zum Ungehorsam gegen den Staat durch, indem sie Kirchenasyl anbieten werden. Januar-Sitzung des Presbyteriums: Es wird über den Gottesdienst als Mittelpunkt der Gemeinde gesprochen. Gründung eines Arbeitskreises zur Betreuung der Aussiedler in der Unterkunft Rauental. Am 28. Januar ist die Ordination von Pastor Werner Jacken. Zu Beginn des Gottesdienstes wird nun immer für diejenigen, die Geburtstag haben und im Gottesdienst sind, ein Lied gesungen und ein Geburtstagssegen ausgesprochen. Im Mai wird Pastor Zwick beauftragt, über das Projekt "Ladenkirche" mit dem Präses der EKiR und dem Landeskirchenamt zu verhandeln.

Erste abendfüllende Theateraufführung "Mord an Bord" im Paul-Gerhardt-Haus. Im Juni wird Frau Velleuer mit der Leitung des Kindergartens Klippe beauftragt. Verabschiedung der Gemeindeschwester Elisabeth Dreckhoff im Dank-Gottesdienst am 9. September anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Altentagesstätte. Um die Verkündigung, Unterweisung, Seelsorge und Diakonie in den Bezirken nicht zu gefährden oder zu verzögern, beschließt das Presbyterium, dass für das Projekt "Ladenkirche", als missionarisch diakonisches Stadtteilprojekt. die Beschäftigung eines Pastors im Sonderdienst und eines/r Sozialpädagogen/in beantragt wird. Ziele sind: Kirche und Gemeinde im Stadtteil an "ungewohntem" Orten präsent machen.